Kritik

… ist manchmal gerechtfertig und notwendig. Doch als Gast sollte man sich grundsätzlich auch einmal ein paar Punkte vor die Augen halten, damit das nicht im Fiasko endet und man die eigene Glaubwürdigkeit verliert.

  1. Kritik sollte immer gerechtfertigt und sachlich sein. Kritik aufgrund mangelnder Lesebereitschaft z.B. oder Unachtsamkeit seitens der eigenen Persönlichkeit an der Gastronomie zu üben verursacht nur Antipathie, Hohn und/oder Spott und gegebenenfalls eben den Verlust der eigenen Integrität. Jemand, der sich über die „Spaghetti al Oglio de Olio de Olivio“ (Spaghetti mit Knoblauch und Olivenöl) aufregt, sie seien zu ölig/fettig … Nunja, der Lachanfall des Küchenpersonals war dementsprechend vorprogrammiert.
  2. Kritik sollte in einem vernünftigen Tonfall vorgetragen werden. Jemand, der den Teller zurückgehen läßt, mit der Bemerkung, dass Essen sei ungenießbar und das Personal hat keine Ahnung – derjenige möchte wahrscheinlich nur seine eigene Unzulänglichkeit und sein eigenes Unvermögen der kulinarischen Betrachtungsweise und Vielfalt kundtun. Der Ton macht die Musik. Kritik sachlich und vor allem konkret vorgetragen erweitert die Möglichkeiten der Küche, darauf einzugehen und eventuelle Mängel in Zukunft zu vermeiden. „Das schmeckt nicht“ ist keine Kritik und deutet nur auf das eigene Urteil des eigenen Geschmacks. Immer bedenken. Geschmäcker sind verschieden!
  3. Das wäre dann auch schon Punkt 3. Geschmäcker sind verschieden. Der Punkt, an dem der Eine sagt  „geil, Geschmacksorgasmus“ muß nicht zwingend auf den Nächsten zutreffen, der es als geschmacklich unerträglich einstuft. Der Eine regaiert sensibel auf das kleine Quäntchen Salz, der Nächste mag es halb versalzen. Die Küche versucht immer den goldenen Mittelweg zu finden und das sollte auch dementsprechend honoriert werden. In puncto Salz und Pfeffer sei noch erwähnt: in 99% aller restaurant/Gaststätte, Lokalitäten gibt es Menagen. Das sind die Dinger, die mit Salz und Pfeffer gefüllt sind und die stehen meist nicht zur Ansicht, sondern zur Benutzung da.
  4. Eigenes Hausfrauen-Kochkunst-Wissen hat nichts mit der gastronomischen Kochkunst zu tun. Im Großteil aller gastronomischen Lokalitäten sind meist Köche am Werk, die eine mindestens 3jährige Berufsausbildung genossen haben und dementsprechend (zumindest sollte es so sein) wissen, was sie tun. Gastronnomische Küche hat nichts mit der freizeitlichen Kochkunst zu tun, es gibt, auch wenn viele das gern bestreiten mögen, in einigen Punkten Abweichungen. Meist betrifft es die Menge, so dass in einer Großküche der Risotto anders zubereitet werden muss als das jemand von zu Hause kennt. Aber auch die technischen Möglichkeiten spielen hierbei eine Rolle sowie die personelle Ausstattung. Meist bekommt ein Gast nie mit, dass es in einer Küche hektisch zugeht, Streß normal ist. Soll er auch nicht. Nur dann mit dem Hausküchen-Wissen rumzuprahlen und die Köche der Unfähigkeit bezichtigen a la „Ich koche es aber immer anders und das gehört da nicht rein“ … Sorry, da hört das Verständnis irgendwann auf.

Wenn diese kleinen Punkte beachtet werden, dann wird sich jeder Koch über eine sachliche Kritik in vernünftigem Rahmen freuen. Denn dann weiß er, was seinen Gästen schmeckt und was nicht und kann dementsprechend reagieren und agieren. Grundlos rumzupöbeln mag im Freundeskreis angebracht sein – in einem Restaurant auf keinen Fall. Na dann, Guten Hunger und immer daran denken: Man sieht sich immer zweimal im Leben!

 

 

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