Mittelalterküche: Hirsebrei

Ich finde es schon putzig, wenn irgendwelche Projektgruppen sich durch die Geschichte des Mittelalters wühlen und Rezepte nachkochen, die so fehlerhaft sind, dass es schon zum Himmel stinkt. Wenn man versucht, authentisch zu kochen, dann bitteschön richtig und nicht unseren modernen Ernährungsgewohnheiten angepasst.

HirseWenn man wissen möchte, was sich die einfachen Leute gekocht haben, dann sollte man dabei auch nicht vergessen, was sich diese leisten konnten, was der Handel für Mittel- und Unterschicht bieten konnte. Richtig ist der Hirsebrei als „traditionelles“ Gericht in der Küche von arm und reich. Doch die Veredelung desselben konnten sich nur die Vermögenderen leisten, Zucker, Zitrone und Zimt als Würze waren in den ärmeren Häusern/Katen wohl kaum zu finden. Wer schon ein Problem hat, sich sein täglich Salz zu verdienen, der kann sicherlich nicht auf orientalische Gewürze zurückgreifen, die noch schwerer zu bekommen waren. Sicherlich stehen solcherley Rezepte in den alten Kochbüchern, doch selbst diese wurden nur in wohlhabenderen Familien verwendet.

Sollte nun der Hirsebrei als authentisches Gericht herhalten, dann bei der Verwendung solcher Zutaten bitte auch den Stand verweisen.

Hirsebrei in der „reichen“ Version:

1 l Milch
200 g Hirse (den Vögeln vom Fensterbrett zu entwenden)
1 EL Butter
50 g Zucker
3 EL Honig
1 TL Zimt
½ l Zitronenschale‘
1 Prise Salz

Die frisch gemolkene Milch wird mit Butter, Salz, Honig und der Zitronenschale (erhältlich beim Fürsten um die Ecke, der sich eine Orangerie halten kann) aufgekochet. Hernach wird die Hirse eingerühret und auf kleiner Flamme köcheln gelassen. Den sämigen Hirsebrei in eine Schüssel füllen und mit Zimtzucker bestreuet – fertig.

Hirsebrei in der „armen Version

1 l Milch (sofern Kuh oder Ziege vorhanden), sonst Wasser des nahen Baches
200 g Hirse (vom Wegesrand aufgelesen)
1 EL Butter (siehe Milch, im Notfall geht auch Ohrenschmalz)
3 EL Honig
1 TL Verjus (Saft aus unreifen Trauben)
1 Prise Salz (von der Haut abgeschabt)

Die Zubereitung entspricht in den Schritten der „reichen“ Version… Natürlich kann hier dann mit Kräutern und Beeren in den wärmeren Jahreszeiten oder Trockenfleisch in den Kälteren variiert werden. Mahlzeit!

Quelle(n):
Projekt einer Schule
Universität Innsbruck

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